Buchtipp: Wild

Das Buch „Wild“ von Cheryl Strayed hat mir Flausen in den Kopf gesetzt, nämlich irgendwann mal einen Fernwanderweg zu laufen. Eine Leseprobe dieses Buches in einer Zeitschrift hat mich gefesselt und ich war beinahe schon enttäuscht, als ich diese im Wartezimmer eines Arztes liegenlassen musste, weil ich dran war. Dann geriet das Buch eine Weile in Vergessenheit. Ich weiß nicht mehr wann und in welchem Zusammenhang, da entdeckte ich das Buch und kaufte es. Wie ich das oft bei englischsprachigen Autoren mache, auf Englisch um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Aber das hielt mich nicht davon ab, es regelrecht zu verschlingen.

Cheryl hat eine recht enge Bindung zu ihrer Mutter. Doch diese verstirbt sehr früh an Krebs. Das wirft Cheryl derart aus der Bahn, das sie eigentlich kein geregeltes Leben mehr führen kann. Sex, Drogen, Chaos. Ihre Ehe zerbricht. Durch Zufall fällt ihr ein Buch über den Pacific Crest Trail (PCT) in die Hand und sie liest es. Sie ist so begeistert, dass sie sich daran macht, den ebenfalls zu laufen.

Der Pacific Crest Trail ist ein Fernwanderweg im Westen der USA von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada und hat eine Länge von mehr als 4200 Kilometern. Er führt über die Sierra Nevada und die Kaskadenkette und sein höchster Punkt liegt bei stolzen 4000 Metern. Kein Pappenstil also.

Man würde ja meinen, dass da nur erfahrene Wanderer laufen, trainierte Menschen. Das ist bei Cheryl definitiv nicht so. Da sie sowieso kein geregeltes Leben mehr hat, schmeißt sie ihren Aushilfsjob hin, verkauft ihr bißchen Hab und Gut und kauft Wanderausrüstung. Dann geht´s ab zur mexikanischen Grenze und ab auf den PCT. Schon im Motel beim Packen ihres Rucksacks stellt sie fest, dass das wohl keine leichte Tour wird, denn ihr Gepäck ist so schwer, dass sie es kaum heben kann. Dennoch zieht sie am nächsten Morgen los.

Es folgt die Beschreibung ihrer Erfahrungen bei der Wanderung. Die Gegend, die Leute, die sie trifft und was sie lernt. Und ihre Schwierigkeiten. Wasser finden und filtern, den Kocher richtig benutzen, Dinge zu entsorgen, die man wirklich nicht braucht und die der Verkäufer dieser Dinge für absolut notwendig gehalten hat. Der Umgang mit Gefahren wie Bären, Schlangen oder gefährlichen Wegpassagen. Der Umgang mit der Einsamkeit.

In den vielen Stunden der Einsamkeit reflektiert sie ihr Leben. Und dabei taucht  immer wieder ihre Mutter auf, die ihre kleine Familie in oft schweren Zeiten stabilisiert hat. Sie war immer da und beste Freundin. Bis dann die Diagnose Krebs kam und Cheryl dann alles zurückgeben konnte – ja musste. Bis zum Ende begleitet sie ihre Mutter und Freundin.

Ein bewegendes Buch, das parallel zwei Welten beschreibt: Die Vergangenheit und die Gegenwart einer jungen Frau, die schon so einiges zu verarbeiten hat und gleichzeitig mit den Widrigkeiten auf ihrem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft kämpft.


Cheryl Strayed: „Wild – From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“  ISBN 978-1-59413-674-0  (englische Taschenbuchausgabe)

Chery Strayed: „Der große Trip – Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“ ISBN 9783442158126 (deutsche Taschenbuchausgabe)

Außerdem ist das Buch mit Reese Witherspoon verfilmt worden, allerdings finde ich, dass der Film nicht annähernd die Tiefe des Buches erreicht. Wie so oft bei Verfilmungen.

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