Jakobsweg Minden-Soest, 1. Etappe

Länge: 18km, habe aber bei 16,6km abgebrochen – Pilgerweg/Fernwanderweg – Meine Zeiteinschätzung (inkl. Pausen): 6h 30min

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Jakobsweg….War das nicht der mit dem Hape Kerkeling? Und in Spanien? Hm, ja schon. Aber der gute Jakob oder einer seiner Namensvettern ist auch in Deutschland gepilgert. So auch auf einem Weg von Minden nach Soest. Und Minden ist nun wirklich nicht weit weg und die erste Etappe führt doch tatsächlich nach Bad Oeynhausen. Hey, das ist doch DIE Gelegenheit, mal einen berühmten Wanderweg zu laufen!

Also recherchiert und fast nichts gefunden. Von wegen berühmt. Gefunden habe ich gerade mal eine Wegbeschreibung vom LWL (Landschaftsverband Westfalen Lippe) und einen Blog einer Pilgerin. Beides druckte ich mir aus. So stand ich an diesem spätsommerlichen Tag etwa um Viertel vor 11 vorm Dom in Minden. Samt Ohrwurm, denn irgendwie hatte ich „Bruder Jakob“ im Sinne. Hat der eigentlich mit „meinem“ Jakob zu tun?

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Es ging nun durch die Altstadt von Minden. Sehr nett hier, aber eng und mit Kopfsteinpflaster. Und außerdem voll mit Baustellen. Gut, dass die Beschreibung vom LWL die Straßennamen hintereinanderweg aufführt, denn die strahlende Muschel (als Wegsymbol) sah ich nirgends.

Ich überquerte eine Hauptverkehrsstraße und kam in eine Art Park, in dem auch viele Verwaltungsgebäude standen. Nett für die Angestellten. Ein kleines Stück Wald folgte, dann kam ich in ein Wohngebiet. Mittlerweile hatte ich auch die Muschel gefunden.

 

 

 

Ich folgte dem Zeichen und kam zu einer Gartenkolonie, an der ich entlang ging. Dann meinte die Wegbeschreibung, dass ich abbiegen solle. Aber das Muschelzeichen wies in eine andere Richtung. Also in den Blog geschaut und da gab es auch Verwirrung. Also dem Muschelzeichen folgen, denn das andere wäre gefühlt die falsche Richtung. Und siehe da: Es folgten weitere Muscheln und auch die Beschreibung passte wieder.

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Es ging an Feldern entlang parallel zur B61, die an dieser Stelle fast wie eine Autobahn ist. Zum Glück war sie durch einen Wall abgeschirmt. Hier konnte ich nun schon mein erstes persönliches Etappenziel sehen: Den Kaiser Wilhelm. Noch ganz schön weit weg…

 

 

 

 

 

 

Dann überquerte ich mittels einer Brücke die B61 und kam in ein Wohngebiet. Doch eine Muschel wies nach links. Ein Glück, das sieht als Wanderweg auch besser aus als Häuserblöcke

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Tja, am Ende war´s doch falsch. Es folgten keine Muscheln und der Weg endete auch. Also wieder umkehren. Es ging also doch durch´s Wohngebiet. Aber nicht lange, dann verlies ich endgültig die Stadt Minden und es ging  ländlich weiter, allerdings dann schnell innerhalb von Porta Westfalica Barkhausen. Entlang einer Straße, die es in jedem Dorf geben könnte. Mit wenig Verkehr und mit extrem schmalen Fußwegen. Und auf denen standen zum Teil auch noch die Mülltonnen, da heute scheinbar Abfuhrtag war. Also lief ich auf der Straße. Und lief. Und lief. Und lief. Aber ich bin kein VW und war langsam etwas genervt. So machte das doch echt keinen Spaß!

 

Dann aber lag die ellenlange „Alte Poststraße“  hinter mir und ein riesiges Hindernis vor mir:

Jetzt geht es bergauf. Es graute mir ein wenig davor. Würde ich das schaffen? Aber wie man sieht, gibt es hier reichlich Wanderwege. Und schon viele haben diese Wege bewältigt. Dann schaffe ich das auch! Ich freute mich sogar, endlich in den Wald zu kommen. Langsam ging ich es an und ich wurde immer langsamer, denn es wurde wirklich steil. Ich war froh, dass ich hier nicht hinunter gehen musste und hoffte, dass ich am Ende nicht einen ähnlich steilen Weg hinunter muss. Aufgestellte Parkbänke riefen mir zu, ich solle sie doch bitte bitte mal ausprobieren. Sie seien soooo bequem und außerdem müsste ich dringend was essen und trinken. Ja, schon wahr. Aber ich musste so dringend Pipi, dass ich partout nichts in mich hineingeben wollte. Es war schon schwer genug, meine schmerzende Blase im Zaum zu halten. Also weiter.

Dann wieder ein widersprüchlicher Hinweis. Ich bog links ab, wo meiner Meinung nach auch das Denkmal sein müsste. Kurze Zeit später ein Zaun. Verda…! Ist der Weg hier dicht? Was nun? Oder war vielleicht der Hinweis nicht so ganz korrekt angebracht und es ging doch geradeaus weiter? Also hier definitiv nicht. Mein Blase schmerzte, ich pausierte und überlegte, ob ich mich hier erleichtern sollte. War ja kein Mensch da… Ich tat es nicht und wenige Meter weiter war ein Mann mit Rucksack, der auch etwas orientierungslos dreinschaute. Puh, der hätte mich doch glatt erwischt. Wir kamen ins Gespräch, denn auch er suchte den Weg zum Kaiser Wilhelm Denkmal. Nur kam der aus der Richtung, die ich nun einschlagen wollte.

Er sei umgekehrt, weil er keinen weiteren Hinweis gefunden hätte und er wolle nun zur Straße zurück, die auf jeden Fall nach oben führen würde. Ich folgte aber dem Weg, aus dem er kam, denn eine weitere Möglichkeit gab es nicht. Straße laufen wollte ich nicht schon wieder und der Typ hat sich wohl nur nicht weit genug gewagt, um auf weitere Hinweise zu stoßen. Ich fand sie und ging weiter.

Ich kam dann aber auch an die Straße und da war ein Hinweis auf ein WC. Jippieh! Boah, was tat das gut! Anschließend nahm ich einen großen Schluck Wasser, Essen wollte ich erst am Denkmal. Und es war überraschenderweise gar nicht mehr so weit.

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Am Fuße des Denkmals besetzte ich eine Bank und packte mein Picknick aus. Apfel- und Möhrenstücke, eine Veggiewurst und einen Haferenergieriegel. Dazu noch einen Energy Drink. Der Haferriegel war ein ordentliches Teil mit Ahornsirup und Walnüssen drin. Lecker! Ich hatte zuvor schon alles andere gegessen und der Riegel machte mich pappsatt. Dabei hatte ich heute morgen nur ein paar Löffel Müsli gegessen und nun war es schon fast 14 Uhr und Zeit für ein Mittagessen. Ich war so satt, dass ich beinahe eine Fressnarkose hatte, aber es half nichts, ich musste weiter. In diesem Moment kam der Wanderer von vorhin oben an. „Ich hätte doch dort weiter gehen müssen?“ Ja hätte er…

Ich stieg noch diese Treppen hinauf, um den Willi von etwas näher zu knipsen und dann machte ich noch ein paar Bilder vom Ausblick. Aber so richtig schön ist der leider nicht

Die Wegbeschreibung vom LWL nannte nur „Kammweg“ und die Beschreibung von der Bloggerin war: Links am Denkmal. Also ging ich links vom Denkmal den Weg entlang. Komisch war nur, dass der nicht nach oben ging. Hätte ich oben irgendwo einen Weg nehmen müssen? Ich habe keinen gesehen, schon gar nicht irgendeine Wegmarkierung. Hm. Also erst mal weiter. Irgendwann würde ich schon an den Moltketurm kommen. Aber mein Blick ging immer wieder nach rechts oben. Ein Kammweg müsste doch wohl auf dem Kamm sein? Und ist dieser Baum ein Zeichen?

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Ich wusste, dass es hier einige Erdrutsche etc. gegeben hatte und der Weg war eigentlich „nicht ohne“, denn nicht nur Bäume lagen quer über den Weg sondern links war der Weg auch abgebrochen. Teilweise war es richtig eng. Ich wäre ganz schön tief gerutscht, wenn ich hier gestolpert wäre. Aber es ging alles gut. Dann endlich kamen mir drei Walker entgegen. Die sprach ich an. Tja, es war wirklich nicht der Kammweg, aber ich würde hier auch zum „Wilden Schmied“ kommen. Den Moltketurm allerdings würde ich verpassen, es sei denn ich würde umkehren oder am Ende noch mal auf dem richtigen Weg zurück gehen. Nee, also sooo wichtig war das nicht und wenn ich auch hier auf den Jakobsweg zurück kommen würde, dann war´s okay.

Mein Weg und der Kammweg kreuzten sich und ich sah zurück auf meinen Weg und fand dort dieses Schild:

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Toll. das schreibt ihr jetzt…

Wieder fand ich kein Muschelzeichen. Ich fragte wieder nach dem Weg. „Vermutlich hier entlang“ Ja, das vermute ich auch. Also weiter. Dann kam ich an die Wittekindsburg, wo man wohl auf einen Kaffee hätte einkehren können

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Immernoch keine Muschel zu sehen. Aber die Bloggerin schrieb was von einer Kreuzkirche. Und die war ausgeschildert. Dort kam ich auch an. Man sah nicht wirklich viel, aber ich fand es schon interessant, dass es hier oben eine Kirche bzw. ein Grabmal gab.

In dem Gebäude sah man die Überreste der Kreuzkirche, aber die Scheiben waren so veschmutzt, dass ich sie nicht fotografiert habe. Hineingehen konnte man auch nicht.

Also wie weiter? Immer noch keine Muschel. Bei LWL kein Hinweis. Aber die Bloggerin, die hier auch ewig herumgeirrt ist, hatte den richtigen Tipp und ich kam zu einer Kapelle. Doch da war gerade eine Reisegruppe oder eine Gruppe von Wanderern, so dass auch hier kein sinnvolles Foto möglich war.

Weiter ging es durch den Wald. Wieder keine Muscheln! Aber ein Pilz!

Naja, der nutzte vielleicht für ein Abendessen oder den schnellen Tod oder vielleicht auch nur für einen LSD Trip. Von Pilzen habe ich keine Ahnung. Auch keine Ahnung hatte ich, ob ich hier richtig bin, denn weiter unten ist ein schöner Waldweg, während ich gerade über Stock und Stein kraxelte. Doch am Ende kamen beide Wege zusammen, also keinen Fehler gemacht.

Der Wilde Schmied (ein Ausflugslokal) war bereits ausgeschildert. Ein Glück. Plötzlich kam mir ein Auto entgegen. Hä? Hier auf einem Waldweg? Das Auto wartete bis ich vorbei war und beim Bedanken stellte ich fest, dass es das Forstamt war. Na okay, die können ja auch nicht alles zu Fuß machen. Der Weg war unglaublich matschig und ich war froh, dass ich letzte Woche die Schuhe gewachst habe, sonst hätte ich auch noch nasse Füße bekommen.

Dann endlich habe ich den Wilden Schmied erreicht

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Von dem Lokal habe ich irgendwie kein Bild. Ich bestellte mir eine Cola, da mein Wasser sich dem Ende neigte. Es war heute doch sehr sonnig gewesen und entsprechend viel habe ich getrunken. Ich habe meinem Lebensgefährten gesimst, wo ich war und dass es noch eine Weile dauern würde. Er bot mir an, mich dort abzuholen. Da ich nun schon ein paar Stunden unterwegs war und mich eine ganze Strecke wieder durch Wohngebiete erwartete, nahm ich das Angebot an.

Meine Cola war alle und ich fror trotz übergezogener Fleecejacke. Also beschloss ich, meinem Freund entgegen zu gehen. Es war ein Schotterweg und ich fürchtete schon, dass er sich hier einen Reifen kaputt fährt, als mein Handy klingelte. Er stünde mitten im Wald und dürfe nicht weiter. Hm. Wie sind die Autos denn zum Lokal gekommen? Waren das die der Angestellten?

Ich sagte, dass ich ihm entgegen kommen würde. Wo ich denn raus käme? Äh, keine Ahnung… Vorberger Weg? Also da wäre er nicht. Also würde ich, wenn ich einen sehe, ihm den Straßennamen simsen.

Also Vollgas bergab. Meine Knie ächzten, ich stöhnte und warum war ich im Wilden Schmied nicht auf Klo? Dann endlich ein Parkplatz mit mehreren Autos. aber nicht unseres. Noch ein Parkplatz, aber hier war auch keiner. Also weiter. Kein Straßenname zu sehen. Aber mein Freund. Der kam mir entgegen. Er hatte Vorberger Weg ins Navi getippt und genau da war ich. Zuvor hatte er die Adresse der Gaststätte eingegeben (Kammweg 1) und das hatte nicht funktioniert. Er war 9km von hier entfernt gelandet.

Aber jetzt hatte er mich gefunden, ein gekühlter Isodrink lag für mich bereit und es ging nach Hause.


Fazit:

Es war meine erste Wanderung allein und bis da hin meine längste. Und ich finde, ich habe sie gut bewältigt. Es ist schon erstaunlich, wie wenige Wegbeschreibungen man findet, aber dieser Pilgerweg ist noch relativ neu. Die Kennzeichnung mit der Muschel ist teilweise sehr gut, so dass ich ohne Ausdrucke weiter kam. Dann aber gab es immer wieder Strecken, wo ich nichts fand und mir die Beschreibung weiter half. Und dann wieder Abschnitte, wo nur Durchfragen half. Das sollte ja wohl eigentlich nicht so sein… Die Bloggerin hatte auch Probleme, obwohl sie den Pilgerführer dabei hatte. Also da muss auf jeden Fall noch was getan werden. Vorallem wäre eine Karte schön, die ich bisher nicht gefunden habe. (Mittlerweile habe ich mir eine Karte für unsere Region mit vielen Wegen darauf gekauft)

Der Weg an sich ist über lange Strecken wirklich öde. Die Mindener Altstadt ist nicht schlecht, aber da hält man sich nicht lange auf. Am schlimmsten war das lange Teilstück durch´s Wohngebiet in Porta Westfalica. Das hatte bei mir nun gar keine meditative Wirkung, was ja eigentlich das Pilgern haben sollte. Oder liege ich damit falsch? Jedenfalls war es auch nichts für´s Auge. Der 2. Teil der Strecke durch den Wald war da schon viel besser und ich habe mich im Nachhinein gefragt, warum ich nicht am Fuße des Berges losgelaufen bin. Andererseits gab es bestimmt zu Jakobs Zeiten noch nicht so viele Häuser dort.

Wie auch immer, ich habe mir angeschaut, wie der Pilgerweg weiter geht. Und letztlich geht er viel an Straßen entlang. Deshalb werde ich die 1. Etappe nicht beenden und auch die 2. Etappe von Bad Oeynhausen nach Herford nicht laufen. Der schönste Teil der 2. Etappe geht an der Werre entlang und das gehe ich dann mal für „Anti walks…“, da das die „grüne Walkingroute“ ist.

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