Mühlensteig 1a

Länge der Etappe: 13,1km (wegen vieler Umwege) – Fernwanderweg – Meine Zeit:  etwa 5 Stunden

 

 

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Der Kreis Minden-Lübbecke, in dem ich wohne, wird auch Mühlenkreis genannt. Das liegt daran, dass es hier in der Gegend zahlreiche Mühlen der unterschiedlichsten Ausformungen gibt. Viele davon liebevoll restauriert und an Wochenenden auch gerne mal geöffnet. Eine solche Mühle habe ich euch ja schon gezeigt, nämlich die Hofwasser Mühle im Siekertal in Bad Oeynhausen.

Wenn es doch nun so viele Mühlen gibt, kann man da nicht eine Tour draus machen? Man kann. Und zwar auf unterschiedliche Art und Weise. Da gibt es zum einen die „Westfälische Mühlenstraße“. Aber die Straße ist ja nicht das, was ich benutzen will. Da gibt es für das Fußvolk nämlich auch noch den Mühlensteig.

Ich habe mir eine Karte besorgt und erschreckend viele mögliche Wanderungen entdeckt. Aber es soll nun wirklich der Mühlensteig sein. Es wird viel durch Wald gehen und es ist nicht so weit von zu Hause entfernt, so dass mein Freund mich zu Start/Ziel der einzelnen Etappen fahren kann.

Außerdem habe ich mich noch mal mit meinem Garmin Etrex 20 auseinander gesetzt und hoffe, dass es mir dieses Mal als elektronischer Wegweiser im Zweifelsfall helfen kann. So ein GPS-Gerät ist leider nicht intuitiv bedienbar und das zugehörige Programm Basecamp auch nicht. Ich hoffe, dass ich so langsam da durchsteige… Aber die Karte gibt mir das Vertrauen, dass ich es auch so schaffen werde

Der Mühlensteig besteht aus 4 Etappen zwischen 12 und 18km Länge. Die erste Etappe ist nur 12km lang, führt mich aber gleich „über den Berg“. Los geht es in Bad Holzhausen.

Mal gucken, ob´s klappt und ob ich durchhalte. Ich werde nämlich meine Einlagen aus den Wanderschuhen wieder entfernen, denn die machen sie einfach zu eng und es gab das letzte Mal ordentlich Druckstellen und eine große Blase. Wie mein Fuß es findet, keine unterstützende Einlage zu tragen, weiß ich am Abend. Ich werde sie mir auf jeden Fall einpacken. Und meine Walkingschuhe für den absoluten Notfall.

Dann kann es eigentlich losgehen.

Um kurz nach 10 fuhren wir los in Richtung Bad Holzhausen. Wann genau wir da ankamen, weiß ich nicht mehr, aber wir fuhren mindestens eine halbe Stunde. Mein Freund schmiß mich an der Bahnhofstraße raus und ich machte mich auf den Weg und suchte die Wassermühle. Irgendwo am oder im Kurpark sollte die sein. Zum Glück ging ich in die richtige Richtung und fand dann auch Hinweisschilder zu einem Parkplatz, von dem es zur Mühle gehen sollte. Das hieß aber natürlich auch, dass ich erst einmal an einer Straße entlang ging. Nicht schlimm, hier gab es wenig Verkehr und das Ende war absehbar.

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Ich fand den Parkplatz, jede Menge Wegmarkierungen für irgendwelche Walking- oder Wanderwege. Aber nichts für den Mühlensteig und auch nichts mehr zur Wassermühle. So landete ich im Kurpark, der so ganz anders war als der in Bad Oeynhausen. Irgendwie schnuckeliger, vor allem auch kleiner und mit weniger mondänen Gebäuden. Und einem Trainingsparcour, der gut in Schuss zu sein scheint im Gegensatz zu dem in der Oeynhausener Schweiz.

 

 

Ich hörte es doch plätschern! Ja, da endlich die Ursache davon

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Keine Mühle… aber dann doch noch, fast wollte ich schon aufgeben!

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Gerade hatte eine Schulklasse wohl eine Führung erhalten und die beiden „Mühlenwirte“ waren am Aufräumen. So konnte ich auch mal kurz hineinschauen, Fotos habe ich leider keine gemacht. Diese Mühle ist locker doppelt so groß wie die Hofwassermühle bei uns im Siekertal und es gab einiges zu sehen und zu lesen. Wobei das Inventar der Guts-Wassermühle (erstmals 1556 erwähnt) aus mehreren Mühlen zusammengeliehen war.

Aber die beiden Herren waren nun fertig und ich fragte sie noch, wie ich denn nun zum Mühlensteig käme. Entsetzen, Überraschung oder auch Mitleid im Gesicht des einen ließen mich grinsen, als ich erzählte, dass ich noch zur Oberbauerschafter Rossmühle wollte. Zu Fuß. Den Mühlensteig kannten sie nicht, das Symbol mit einem Mühlenrad auch nicht. Aber auf meiner Wanderkarte erklärten sie mir den Weg. Na toll, das hätte ich auch gekonnt, aber wie fand ich hier aus dem Park heraus? Auch die Wasservögel wollten oder konnten mir nicht helfen.

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Und dann fand ich noch im Kurpark das erste Mal ein Mühlensymbol

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Es ging weiter wie beschrieben, wie das Navi wollte, wie die Symbole wiesen. Na, jetzt klappt´s doch. an einer Gabelung hing das Zeichen etwas schief, für mich aber war es immer noch eindeutig. Sieht doch schon ganz nett hier aus, oder?

Ein sehr schnelles Auto überholte mich, schließlich ist hier theoretisch 100km/h erlaubt. Ich erschrak zwar ein wenig, weil ich hier so schön meinen Gedanken nachhing, weil es eigentlich ziemlich still war. Aber der Abstand von dem Wagen zu mir war wirklich ausreichend. Kurze Zeit später ein Bauer auf seinem Trecker, der freundlich winkend die Hand hob – hach, so macht das Spaß! Und dann ein Blick auf mein Garmin. Hä? Wieso liegt meine blaue Linie nicht auf der rosanen? Och nöööööö. Ich war die falsche Gabel gegangen! Irgendwie habe ich es nicht so mit Wegkennzeichnungen oder die müssen das hier noch mal üben. Ein Blick auf die Karte verriet mir aber, dass Umkehren nicht lohnte und dass ich nun eben einen größeren Bogen als vorgesehen gelaufen war. Na, egal. Schließlich hätte ich sonst nicht den das Feld bearbeitenden Treckerfahrer getroffen und idyllisch war es hier auch schon. Eichhörnchen und diverses Federvieh rundeten samt Hottehühs diesen Eindruck ab

Erwähnte ich schon, dass ich meinen Sonnenhut vergessen habe und wieder mal mit dem Gesicht Richtung strahlender Sonne ging? Ein Glück, es geht nun in den Wald. Zum Teil war der Weg etwas matschig, aber wenigstens war ich laut Garmin wieder auf dem richtigen Weg. Einmal blieb ich mit meinem Fuß stecken, so dass es mir fast den Schuh auszog (mit Stiefeln passiert so etwas wohl eher nicht?). Also sanft den Fuß aus dem Matsch gezogen -smmmmmmack! – und auf eine etwas festere Stelle wieder abgesetzt. Puh, Glück gehabt. Einen Matschfuß wollte ich ja nun nicht. Dann zog ich meinen Walkingstock heraus, und weg war das Pad. Also einmal tief in den Matsch greifen und das Pad herausgezogen und wieder unten am Stock befestigt.

Mittlerweile ging es ganz schön bergauf. Nicht dramatisch, aber doch deutlich spürbar. Dann kam ich an eine Kreuzung ohne eine Kennzeichnung. Also kurz auf´s Garmin geschaut und festgestellt, dass ich schon wieder auf dem falschen Weg bin. Mist! In Ermangelung des Mühlenrades bin ich der Kennzeichnung des Wittekindweges gefolgt, aber das war hier falsch, denn davon gibt es zwei und dies hier war nicht der, der auch der Mühlensteig ist. Meiner wäre einfach nur zwei Balken übereinander in rot und weiß gewesen, dieser hier war ein rotes umgedrehtes T auf weißem Grund.

Also wieder den Berg hinunter. Genau an der Stelle, an der ich im Matsch hing, war ich falsch gegangen. Kein Wunder, denn ein Weg, geschweige eine Markierung, waren nicht zu erkennen. Nachdem ich aber ein paar Meter über ein paar Wurzeln und Äste gestiegen war, erkannte ich soetwas wie einen Weg und auch das Garmin zeigte mir an, dass nun alles bestens sei.

Mit mir war aber nicht alles bestens, denn das hier war kein richtiger Weg. Offensichtlich fuhr hier ab und zu mal ein Fahrzeug der Forstwirtschaft, aber eigentlich war hier alles zugewachsen und schlammig. Spaß machte das nicht. Und dann wurde es wieder steil. Also wieder 30 Schritte gehen, zweimal durchatmen, 30 Schritte gehen… So hangelte ich mich den Berg hoch. Teilweise war kaum noch Weg zu erkennen. Ist das noch Weg?

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Dies war noch der angenehmere Teil der Strecke und sieht ja gar nicht so schlecht aus. Aber glaubt mir, im hohen Gras nervten die Stöcke einerseits, andererseits hätte ich ohne sie vermutlich eine Rutschpartie gemacht. Und dann waren da noch genug Passagen, wo es eigenlich gar keine Trittfläche gab

Als ich meinte endlich oben zu sein, checkte ich mein Garmin. Wollt ihr´s wissen? Ihr wisst es eh schon. Es hat keine Wegbezeichnungen gegeben, aber auch keine Abzweigung. Dachte ich. Aber das dachte ich ja heute schon einmal. Ich war falsch und nun ging es diesen Schei..weg wieder runter. Steil runter und rutschend. An der Stelle, wo ein Abzweig hätte sein sollen, schlug ich mich in den Wald. Aber das führte zu nichts und ich hatte ehrlich gesagt Sorge, mir hier alle Knochen zu brechen. Also zurück zum Weg. Karte herausgeholt und gesehen, dass ich oben nur hätte ein Stückchen weiter laufen müssen um auf den (richtigen) Wittekindsweg zu kommen, der mich dann auch wieder auf den Mühlensteig führen würde.

Also wieder hochgestokelt. 1,2,3,…29, 30 Atmen atmen atmen 1,2,3,… Und wirklich: Da war! Ein schöner breiter Wanderweg, ordentlich gekennzeichnet. Kurze Zeit später piepste mein Garmin – es hatte einen Wegpunkt gefunden. Ja und genau an der Stelle kam ein Weg heraus. Oder man sah, dass da wohl mal einer war: Komplett verwäldert – äh verwildert.

Jetzt hieß es Gasgeben und das tat ich. Obwohl ich langsam Hunger verspürte, hoffte ich doch, dass ich bald eine Bank finden würde und es war auch so. Sogar eine Schutzhütte

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Da gab es eine kleine Brotzeit, denn so richtig doll Hunger hatte ich dann doch nicht. Ich wollte weiter, ich hatte genug Zeit verloren! Der Weg war wunderbar und die Wegmarkierungen auch. So soll es sein und ich freute mich wieder. Aber jetzt ging es ordentlich bergab und nun steht endgültig fest: Meine Wanderschuhe sind auch ohne Einlagen zu kurz geworden (bzw mein Plattfuß länger). Egal. Das nächste Etappenziel war nahe, die Rossmühle in Oberbauerschaft! Merkwürdigerweise war sowohl der Weg im Garmin als auch auf der Karte so eingezeichnet, dass ich am Rande eines Ackers entlanglaufen musste und dieser Weg (aus gemähter Wiese) endete genau auf einem Bauernhof. Also nee, auf Privatgelände wollte ich nun nicht herumlaufen und suchte mir auf der Karte einen anderen Weg. Den fand ich leicht und ich fand auch Wegweiser zur Rossmühle. Und wo befand sich die? Auf dem von oben gesehenen Bauernhof!

Ich konnte mich in Ruhe umsehen, keiner störte mich. Eine Rossmühle hätte ich ja im Freien vermutet, aber sie war innerhalb dieses Gebäudes

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Ich kann mir das Aufschreiben der Informationen zu dieser Mühle sparen, denn ich habe sie einfach abfotografiert

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Und so sieht´s innen aus

Und weil ich so viel getrödelt habe, habe ich meinen Freund angerufen, dass er mich abholen könne. Ich habe ihm beschrieben, wo ich bin und ging ihm entgegen.


Fazit:
Ich bin viel weiter gelaufen, als die gesamte erste Etappe eigentlich sein sollte. Das lag schon am Anfang an der Sucherei nach der Wassermühle in Holzhausen und vor allem an der Wegsuche allgemein. An vielen Stellen fehlt eine vernünftige Wegkennzeichnung, Wege sind nicht gepflegt oder gar nicht mehr vorhanden. Sehr schade, denn eigentlich macht es Spaß von Mühle zu Mühle zu wandern. Deshalb wird es eine Fortsetzung geben, auch mit der Hoffnung, dass dann die Wege besser werden und die Kennzeichnung ausreichend sein wird.

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