Mühlensteig 1b und 2a

Strecke: 14,8km – Fernwanderweg – Meine Zeit: etwa 4 Stunden 30min

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Ich habe ja versprochen, dass ich die Strecke weiterlaufen werde. Heute war super Wetter angesagt, also ging es los. Aber nicht zu früh. Mein Freund fuhr mich zur Rossmühle Oberbauernschaft bzw. bis ein Stück kurz davor. Dort hatte ich die erste Etappe des Mühlensteigs abgebrochen, nachdem ich mich ja zig mal verlaufen hatte. Ehrgeiziges Ziel war es heute, die Etappe zu beenden und die zweite gleich mit anzuhängen. Okay, ich behielt mir vor, vielleicht schon an der ersten von zwei Mühlen zu stoppen, falls es wieder länger dauern sollte als gewünscht. Die zweite Etappe soll 14km lang sein und ich schätzte den Rest der ersten Etappe auf ca. 5km…

Um kurz vor 12 stiefelte ich los. Heute mit langer Hose, dicker Fleecejacke und vor allem einem Halstuch. Ich schwitze immer sehr schnell und hatte Sorge, dass ich mich sonst verkühlen würde. Die dicke Fleecejacke wurde ich schnell wieder los, denn ich lief auf der wirklich sonnigen Südseite des Wiehengebirges und da hier kaum Schatten war, wurde mir schnell viel zu warm. Das Halstuch behielt ich um, auch wenn´s zum T-Shirt reichlich bekloppt aussah.

Mein Weg stimmte mit dem auf dem Garmin überein, nur Mühlenzeichen sah ich mal wieder keine. Egal. Heute waren übrigens richtig viele Leute unterwegs: Jogger, Walker, Spaziergänger mit und ohne Hund, Mountainbiker und auch Wanderer. Eine Wanderin, die ich traf, fragte mich nach einem Aussichtsturm, den ich aber nicht kannte. Wir zogen meine Karte zurate und sie ging ihres Weges. Für mich auch mal die Gelegenheit, auf mein Garmin zu schauen und festzustellen, dass auch ich falsch bin. Na toll, schon wieder…

Also wieder ein Stück zurück gelaufen und auf eben schon getroffene Wanderer gestoßen, die ihre Brotzeit eingelegt haben. Wir kamen ins Gespräch und ich stellte fest, dass genau hinter ihrer Bank das Mühlenzeichen zu sehen ist. Komisch, denn eigentlich bin ich laut Garmin nicht auf dem richtigen Weg. Auch auf deren Empfehlung hin (sie kannten dort die Wege), ging ich dem Zeichen nach. Alles andere wäre Quatsch, denn der untere Weg würde genau dorthin führen, wohin ich wollte: Zur Brücke über die B239. Ich könne mich aber auch quälen und den Kammweg zunächst hinauf und dann wieder hinab laufen…

Nö, also doch den ursprünglich eingeschlagenen Weg genommen, sch… auf´s Garmin. Es folgten dann auch weitere Mühlenzeichen. Dann ist doch alles gut. Bis – ja bis das Ganze mal wieder auf scheinbarem Privatgelände endete. Und wer kam mir da mehr oder weniger aus dem Gebüsch entgegen? Die Wanderin von vorhin. Sie hatte den Turm nicht gefunden und war einen großen Bogen rauf und wieder runter gelaufen. Den Weg, den sie hinunter kam, ging ich nun hinauf. Ordentlich steil. Natürlich keine Wegmarkierung, nicht mal wirklich ein Weg. Oben stieß ich dann auf die Garmin-Route und den Wittekindsweg. Der war wenigstens gut markiert. Es machte wieder Spaß, auch wenn es ab und zu ein paar Matschlöcher gab. Und das Piepen meines GPS bei Erreichen eines Wegpunktes war beruhigend. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass ich eigentlich jetzt schon an der Brücke sein wollte, kurz vor eins. Ich gab mir eine weitere halbe Stunde.

Dann eine Gabelung. Ein Weg gesperrt, der andere extrem matschig. Gefühlt war der matschige Weg richtig, denn der ging weiter auf der Südseite entlang und der andere bog nach Norden ab. Jetzt wurde es anstrengend. Meine Stöcke musste ich in die Luft halten, damit ich nicht wieder die Gummifüße im Matsch suchen muss. Es ging natürlich wieder bergauf und ich steckte fast bis zu den Knöcheln im Matsch. Nach hundert Metern ein frustrierter Blick aufs Garmin: Der andere Weg wäre es gewesen… Ist echt blöd, wenn Wege parallel verlaufen, nur der eine ein paar Meter höher als der andere. Also querfeldein über Wurzeln, Äste und teilweise in den weichen Waldboden einsinkend zum anderen Weg hinunter gestolpert.

Aha, Wittekindsweg. Und siehe da: Mühlenzeichen! Die veranschlagte halbe Stunde war schon wieder vorbei und ich verschob die Ankunft an der Brücke auf 14 Uhr. Wenn es denn Wegkennzeichnungen gegeben hätte. Also dem Wittekindsweg gefolgt. Aber auch die Zeichen waren irgendwann weg. Und meine Blase voll. Richtig voll. Und dann tat ich etwas, was ich bestimmt seit über 30 Jahren nicht mehr gemacht habe: Pipi im Wald. Ich schaffte das sogar, ohne meine Schuhe oder Hose zu beschmutzen. Verlernt man so etwas nie? Allerdings ist das aus der Hocke hochkommen nicht so einfach wie als Kind…

Ich hörte die B239 schon, aber sehen konnte ich sie noch nicht. Die Brücke konnte aber nicht mehr weit entfernt sein. Es ging bergab und ich konnte sehen, dass mein Weg unten an der Straße endete. Nein, nein. Ich wollte zur Fußgängerbrücke und nicht etwa diese gefährliche Straße direkt überqueren! Also wieder den Weg hoch. Anderen Weg gesucht. Gab´s nicht wirklich. Mist! Also doch wieder den Weg runter und auch mein Garmin war dieser Meinung. Okay, irgendwie würde ich schon über diese bescheuerte Straße kommen. Als ich also voller Respekt unten an der Straße stand, schaute ich nach rechts und was sah ich da? Die Fußgängerbrücke! Nee, echt jetzt? Mein Weg führte zwar einerseits zur Straße, aber andererseits auch wieder den Weg hoch und dort kam ich endlich zur Brücke! Ich muss nicht erwähnen, dass auch 14 Uhr schon längst wieder vorbei war, oder?

So, jetzt wird aber alles besser. Piiiiep! Zeil erreicht. Aha, hier endete die erste Etappe des Mühlensteigs. Und was soll ich sagen? Ich war knapp 8km gelaufen. Boah! Heftigst verschätzt, liebe Anti! Nunja, nützt nichts. die 2. Etappe soll 14 km lang sein und ich wollte mein Garmin umprogrammieren. Ääähm, wie blöd ist das denn? Ich habe den Track und nicht die Route übertragen! Also würde es kein Piepsen geben. Aber immerhin konnte ich den Track sehen und auch, wo ich gerade bin. Und aus irgendeinem Grund war ich eine Ecke davon weg. Ich kotze gleich! (sorry für den Ausdruck, ich war echt genervt)  Wieso das denn nun? Also noch mal orientiert und beschlossen, dass ich auf diesem Weg weiterlaufen kann und irgendwann auf den „richtigen Weg“ stoße. Das war dann auch so.

Hier an diesem Funkturm war ich wieder richtig. Es waren wieder Mühlenzeichen zu sehen und alles war gut. Kurze Zeit später gönnte ich mir erst mal in einer Schutzhütte einen Energy Drink, eine Scheibe Vollkornbrot, vegetarische Frikadellen und Radieschen. Und meine Fleecejacke, denn ich begann zu frieren.

Ich hielt mich daher nicht zu lange auf und mein Weg führte mich nach Norden. Merkwürdig, wo ich doch potentiell nach Süden muss. Aber das passte wohl so und plötzlich öffnete ich der Wald und ich bekam einen schönen Blick nach Norden

Mein Weg war sehr breit und sah eigentlich ganz gut aus

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Aber nur ein kurzes Stück, denn dann war es wieder matschig, ohne Ausweichmöglichkeiten. Das nervte! Spuren von Holzfällern waren nicht zu übersehen, denn in die Wege hatten sich ihre dicken Reifen ordentlich hineingebohrt. Und viele gefällte Bäume lagen am Rande. Wohl auch so einige mit dem Mühlenzeichen, denn ich sah überhaupt keine Wegmarkierungen mehr. Bis auf einmal, das war aber schon sehr verblasst.

Ich kämpfte mich regelrecht voran und hörte eine Straße. Als ich sie erreichte, war dort ein Ausflugslokal. Aber ich sah nicht, wo mein Weg weiterführen sollte. Gegenüber, oben im Wald, sah ich Leute, die ein paar Minuten später an mir vorbei kamen. Die habe ich gefragt, wie man denn da oben hoch komme. Ein Stück die Straße entlang würde etwas versteckt ein Weg dort abgehen. Aha. Wohin ich denn wolle? Ich erzählte, dass ich nach Schnathorst wolle zur Mühle. Ach, da kämen sie gerade her. Da hätte ich ja noch was vor mir. Echt? Ja, sie hätten jetzt gerade eineinhalb Stunden gebraucht. Uff! Es war schon halb 5! Und da die beiden scheinbar viel fitter waren als ich, brach ich ab. Obwohl sie mir versicherten, dass der Weg total super sei. Kein Matsch oder so…

Ich rief trotzdem meinen Freund an und eine gute halbe Stunde später war er da.


Fazit:

Es hätte so schön sein können. Nun bin ich mehr oder weniger den Mühlensteig gelaufen und habe heute nicht einmal eine Mühle gesehen. Wie doof. Also geht es hier irgendwann weiter, so schnell gebe ich nicht auf! Trotz fehlender Wegzeichen. Und vielleicht warte ich mit der Fortsetzung eine lange Trockenperiode ab, damit es nicht wieder eine Schlammschlacht wird.

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