Partnachklamm

Ich war noch nie richtig in den Bergen. Naja, eigentlich schon, einmal, aber da war ich noch ein Kind und es hat fast die ganze Zeit geregnet. Das war Anlass für meinen Freund eine Reise in die Zugspitzregion vorzuschlagen. Es könne ja nicht angehen, dass ich schon zwei mal am tiefsten Punkt Nordamerikas (Badwater Basin, Death Valley, Kalifornien) war, aber nicht auf dem höchsten Berg Deutschlands. Uns so kam es, dass wir ein verlängertes Wochenende in Garmisch-Partenkirchen verbrachten.  Ich war nun nicht nur auf der Zugspitze, sondern auch in der Partnachklamm, eines der top Ziele in der Region. Kurz nach meinem Unfall waren größere und/oder steilere Wanderungen eh nicht drin. Daher ist dies die einzige Wanderung oder eher Spaziergang, den ich von dieser Kurzreise vorstellen kann.

Wir  fuhren mit dem Auto zum Olympia Skistadion, man kann auch den Bus dorthin nehmen. Der Parkplatz dort war schon gut gefüllt, die Klamm öffnet, glaube ich, auch schon um 8 Uhr. Jetzt war es bereits 10 Uhr durch. Aber wir fanden problemlos einen Platz und zogen für 2,50€ ein Tagesparkticket.


Achtung: Auch wenn euer Navi oder eure Karte etwas anderes behauptet: Näher kommt ihr an die Partnachklamm nicht mit eurem Auto heran! Es gibt zwar eine schmale Straße, aber die ist nur für Anlieger. Parkmöglichkeiten gibt es deshalb nur für die dort liegenden Unterkünfte. Alles andere ist illegal! Außerdem geht es ja in diesem Blog ums Walken und Wandern… 


Wir gingen ins Stadion. Ich hatte ja noch nie eine Skisprungschanze gesehen – außer im Fernsehen natürlich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich da oben nur auf zwei Bretter stehe und dann da runter soll… Auch die Auslaufzone fand ich reichlich kurz.

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Wir verließen das Stadion auf der anderen Seite wieder, wo auch die anderen Leute hingingen. Hier irgendwo sollen Pferdekutschen abfahren, aber wir sahen keine.

Es geht einen gut ausgebauten Weg entlang der Partnach, ein wunderschön wilder Fluss, wie ich es mag. Wir sind Ende Mai hier, vielleicht ist es am Ende des Sommers nicht mehr ganz so extrem. Aber so wie es jetzt ist, finde ich es total toll und ich mache so einge Bilder davon.

Hier gefällt es mir richtig gut und freue mich sehr über den Spaziergang. Meine Stöcke ließ ich übrigens in der Ferienwohnung, in der Klamm selbst wären sie eh im Weg gewesen. An diesem Weg liegt übrigens auch die Talstation der Graseck-Seilbahn

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Es geht nur noch ein kurzes Stück weiter, dann kommt man zum Eingang der Klamm, an dem man auch gleich den Eintritt von 4€  entrichten muss. Besitzer der Garmisch Card erhalten 50 Cent Nachlass.

Dann geht es in die Klamm hinein. Der Weg war recht schmal und es kamen ja auch Leute entgegen. Eine Gruppe junger Menschen wollte ein Video drehen, wie sie als Gruppe durch die Klamm joggen. Zumindest sah das so aus. Das hatte zur Folge, dass sie immer Platz da und so weiter riefen und alle zu springen hatten. Beim ersten Mal haben wir noch Platz gemacht, aber als sie zurückkamen, hat mein Freund sie auflaufen lassen. Da stand er wie ein Berg. Er sah es nicht ein, warum alle sich nach der Truppe richten mussten und die eine sogar vor Schreck beinahe ihre Kamera in die Klamm fallen lassen hat. Solche Rücksichtslosigkeit nervt. Ehrlich gesagt verstehe auch ich nicht, warum man so etwas durchziehen muss, wenn die Klamm voll von Leuten ist. 1-2 Stunden eher wäre das sicher besser realisierbar gewesen.

Als die Jogger dann weg waren, genossen auch wir die Klamm und machten reichlich Bilder. Manchmal musste man ein wenig warten, bis der vor einem sein Bild gemacht hatte, aber das war alles okay. Die Partnach rauschte wild dahin und führte aufgrund des Regens vom Abend und in der Nacht vielleicht auch etwas mehr Wasser. Es war ziemlich dunkel und es stand dort auch ein Warnhinweis, dass die Deckenhöhe teilweise unter 1,75 m liegt. Irgendwie ging ich deswegen die ganze Zeit geduckt.

 

Trotzdem fand ich es toll hier und es kamen uns nur wenige Leute entgegen. Aber man merkte schon, dass es immer voller wurde und uns so einige Leute überholten während wir Bilder machten. So ging es immer weiter und eigentlich immer total eben. Dann aber ging es plötzlich etwas hinauf, was durch so eine Art Stufen erleichtert wurde.

Plötzlich meinte mein Freund, dass er frieren würde. Okay, wir waren beide nicht mehr trocken, aber ich fror nicht. Allerdings hatte er deutlich mehr Bilder gemacht bei denen er durch den „Regenvorhang“ griff, denn überall tropfte es. In diesem Moment kam uns ein Pärchen entgegen, das gestern mit uns im Zug auf die Zugspitze hinten gestanden hat. Witzig. Tausende von Leuten und man trifft sich einfach so wieder. Sie meinten, es sei nicht mehr weit und dass da noch schöne Wanderwege da oben seien. Mein Freund wollte aber lieber umkehren und in trockene Klamotten kommen, bevor er sich noch eine Erkältung zuzieht.

Also zurück. Und das war gar nicht so einfach, denn es war sehr voll. Wir quetschten uns an der Wand entlang, mussten andere passieren lassen. Kleine Kinder wurden an uns vorbei gepresst, kleine Hunde total orientierungslos. Den Rückweg fand ich fürchterlich.

Dann aber verließen wir die Klamm und siehe da: Die Kutschen waren da!

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Keine Frage, wir würden zurück fahren.  4 Euro kostete die Fahrt pro Person und mein Freund gab 10 Euro. Schließlich hatten wir ja keine Möhren oder Äpfel für die Pferde dabei! Gemütlich ging es zurück. Der Kutscher erzählte dann, dass es sich früh nicht lohnen würde mit den Kutschfahrten, weil er dann immer leer zurück müsste. Deswegen fängt er erst später an. Und er erzählte auch, dass es viele Probleme mit den Touristen gäbe, die meinten, man könne direkt an der Klamm parken, weil die Navis sie bis dorthin lotsten. Und die Stadt stellt einfach keine Hinweisschilder auf. Und so hielt auch heute der Kutscher ein paarmal an, um den Leuten mitzuteilen, dass es dort hinten keine Parkmöglichkeit gäbe. Außerdem hätten die Leute dort schon Schilder auf Arabisch malen lassen, weil seit einigen Jahren viel arabische Gäste dort seien und die deutschen Schilder nicht lesen könnten. Auch hier gäbe es keinerlei Unterstützung der Stadt. Probleme wie überall mit der Verwaltung. Unkompliziertes Handeln Fehlanzeige.

Kurze Zeit später war die erste Kutschfahrt meines Lebens vorbei. Das war mal eine ganz neue Art des „Reisens“ und mir hat es gefallen.


Fazit: Am Ende der Partnachklamm kann man zum Beispiel bis zum Graseck wandern und ggf. mit der Seilbahn ins Tal zurück fahren. Oder man wandert von oben herunter. Ein nächstes Mal würde ich wohl die erste Variante wählen, dann entgeht man den Massen auf dem Rückweg. Denn die waren wirklich nervig. Mir taten vor allem die kleinen Kinder und Hunde leid, die man im Dunkeln leicht mal übersehen kann. Nicht auszumalen wie das ist, wenn die Hauptreisezeit angebrochen ist. Toll stelle ich mir übrigens die Klamm auch im Winter vor, das muss ein märchenhaftes Eisparadies sein. Seid ihr im Sommer unterwegs, dann ist es vermutlich früh am Morgen noch am besten.

 

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