Schottland 2009 (Teil1)

Mittwoch, 3. Juni 2009 Wir wollen zum Mull of Kintyre

Das Lied von Paul Mc Cartney kannte ich aus meiner Kindheit, was lag da näher, mal das Mull of Kintyre zu besuchen, wenn wir schon mal hier sind? Ich habe das gerade mal bei Wikipedia eingegeben und staunte über den Mull of Kintyre Test. Lest das selber mal nach – ich musste grinsen… http://de.wikipedia.org/wiki/Mull_of_Kintyre

Wie auch immer – am späten Vormittag fuhren wir los. Unser erster Halt war am Loch Lomond, welches der schönste See sein sollte. Und wirklich, es war sehr schön dort!

Selbstverständlich hielt ich auch hier meine Füße ins eiskalte Wasser – das war ziemlich erfrischend. Wir liefen eine Weile herum und ich war ganz begeistert, dass es hier zahlreiche Picknicktische mit Grills gab. So etwas kannte ich bis dahin noch nicht. Wenn wir das eher gewusst hätten…

Haben wir aber nicht und wir fuhren weiter. Irgendwo würde es bestimmt eine Fish&Chips-Bude geben, wo wir dann zu Mittag essen wollten. Aber hier gab es nichts! Gar nichts! Das kann doch nicht sein! Wir waren schon genervt, weil auch sonst kein Restaurant oder Fastfood-Kette in Sicht kam. Das hatten wir nicht gedacht. Aber schließlich wurden wir doch fündig:

Heiko bestellte klassisch Fish and Chips und ich Chips with Cheddar Cheese. Man soll ja mal was Neues ausprobieren. Auf die Frage, ob ich Essig dazu wollte, reagierte ich aber mit einem Kopfschütteln. Das war doch zu viel des Neuen…

Wir nahmen draußen Platz und wir bekamen nach einer Weile unser Essen gebracht. Interessante Mischung, Käse und Pommes, aber durchaus lecker. Heiko schmeckte es auch – bis er eine Gräte im Rachen stecken hatte. Er hustete und hustete, versuchte mit den Fingern an die Gräte zu kommen, würgte beinahe. Oh wie schrecklich! Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Ich wurde schon bald panisch. Irgendwann, und ich weiß gar nicht wie, war die Gräte aber „gezogen“ und nach kurzer Pause aßen wir weiter. Heiko natürlich seeeehr vorsichtig mit dem Fisch. Auf dem Tisch (und das schien allgemein üblich zu sein) stand ein Gläschen mit verschiedenen Tütchen von Ketchup & Co. Auch welche mit Essig. Sollten wir es wirklich wagen? Nee, lieber nicht. Das Essen schmeckte doch auch mit Ketchup etc sehr gut. Oder vielleicht doch? Komm, in GB ist man das so, also probieren wir das! Wir würden ja definitiv das Nationalgericht  Haggis nicht probieren, also dann wenigstens das. Und?

Ja, wir wagten es. Und es war lecker! Also mehr davon! Während dieser Reise gab es Pommes nur noch mit Vinegar…

Wir fuhren dann weiter, immer noch durch leuchtendes Grün. Einmal waren Schafe auf der Straße, die waren scheinbar ausgebüxt. Ja, das ist Schottland, wie man es sich vorstellt!

Wir fuhren weiter, noch an einem oder anderem Loch vorbei. Es roch teilweise wie an der Nordsee, denn viele Lochs sind keine abgeschlossenen Seen, sondern haben Zugang zum Meer. Und damit waren auch sie den Gezeiten ausgesetzt. Da war der Vergleich mit den Nordseestränden gar nicht mehr so abwegig.

Dann kamen wir an diese Stelle:

And we rested and were thankful

 

Boah, was ist das schön hier!!!! Uns stockte der Atem. Schöner konnte es nun doch wirklich nicht mehr werden, oder?

Nach einer Weile trennten wir uns aber doch von diesem wunderschönen Ort. Auch wenn es schwer fiel. Aber das Mull of Kintyre wartete doch auf uns. Also los. Es war immerhin schon fast 14 Uhr. Und das der nächste Loch ließ auch nicht auf sich warten. Auch hier wieder Ebbe.

Weiter geht es – die Straßen waren immer gut und schmiegten sich sanft an die Hügel.

Dann erreichten wir Inveraray Castle:

Das einzige Schloss, in dem ich auch drin war – auf der Toilette eines im Untergeschoss liegenden Cafés. Nichts besonderes, drinnen merkte man gar nicht, das man sich im Palast befand. Einzig die Klospülung wollte nicht so recht das Wasser herausrücken… Während ich also mit der Spülung kämpfte, schaute sich Heiko noch um:

 

Dann fuhren wir noch ein wenig in den Ort selbst, genauer an den kleinen Hafen, wo Angler vom Steg aus Beute zu machen versuchten.

Dieser Kollege sitzt wohl schon lange dort:

Hat sich aber gut gehalten, oder? Naja und diese hier erinnerte uns an „Findet Nemo“, auch wenn es eine Taube ist:


„Meins!!“

Auch hier gefiel es mir sehr gut.

Wir kauften etwas in einem kleinen Lebensmittelladen und irgendwie klang das typische „Hello Dear, how are you today?“ etwas ungewohnt. Was für ein Slang! Aber als sie Frau merkte, dass wir Ausländer sind, sprach sie anschließend deutlicher. Und da ging es mir auf: Sie hatte auf gälisch gegrüßt! Ich finde diese Sprache einfach nur faszinierend – wie gerne würde ich sie lernen, aber das ist wohl eher aussichtslos. Es gibt zu viele unterschiedliche Formen davon und Lehrbücher fast gar nicht hatte ich damals recherchiert. Also bleibt nur: Dorthin umziehen!

Es war nun schon sehr spät, Mull of Kintyre war immer noch nicht wirklich näher. Ich hatte die Entfernung grob mittels der Legende am Rand der Karte überschlagen und mich total verschätzt. Vielleicht nicht mal von den Meilen her, aber wie so oft brauchte die Strecke ihre Zeit. Schweren Herzens machten wir uns auf den Rückweg. Aber nicht ohne neue Erlebnisse. Zum Beispiel ein neuer Loch:

Wir versuchten nicht exakt dieselbe Strecke zurück zu fahren, die wir gekommen sind und landeten dann auch auf kleineren Straßen, die sehr schmal waren. Dennoch leicht befahrbar, weil recht einsam. Kurz vor einer Kurve rief ich: „Guck mal, ein Stonhenge Stein!“ Auf das Wort Monolith bin ich spontan gar nicht gekommen… Heiko schnell rechts ran in eine Bucht – äääh! Halt! Das wäre fast schief gegangen. Die Bucht war für die Gegenfahrbahn gedacht, damit man in der Kurve aneinander vorbeikommt. Und wir haben ganz nach deutscher Manier vergessen, dass wir uns auf die Gegenfahrbahn bewegen. Natürlich kam just in diesem Moment auch Gegenverkehr und alle stiegen in die Eisen. Schock! Puh, das ging ja gerade noch mal gut. Der Familienvater im „gegnerischen“ Fahrzeug zeigte auf unser Kennzeichen und die ganze Familie lachte. Wir entschuldigten uns gestenreich, doch sie lachten und fuhren ihres Weges. Das ist Schottland!

Das Ergebnis dieses aufregenden Stopps enthalte ich euch natürlich nicht vor:

Nach nochmaligem tiefen Durchatmen ging es dann auf der richtigen Seite weiter.

Gegen 17 Uhr 30 erreichten wir Oban. Da kommt überigens auch ein Whisky her. Für uns reichte die Zeit nur für ein Foto:

Hübsches Städtchen, das sicher mehr Zeit verdient hätte. Aber wir hatten noch eine ordentliche Strecke vor uns. Irgendwann kamen wir dann wieder am Zelt an und kochten uns ein Abendessen – weiß nur nicht mehr, was. Der Abend ging wieder zuende mit Bier, einer neuen Sorte Whisky (immer nur ein Schluck für jeden aus jeder Flasche) und Uno und Keltis.

Heute Nacht wurde es irgendwie kalt…

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