Schottland 2009 (Teil2)

In Teil 2 vollziehen wir einen Standortwechsel, es geht in den Nordwesten des schottischen Festlands. Wie im ersten Teil gibt es mehrere Seiten.

Samstag, 6. Juni 2009: Es geht in die Highlands! Oder: „Es kann nur einen geben!“

Warum Sean Connery gerne beim „Highlander“ mitgespielt hat und warum er sich in sein Haus in den Highlands zurückgezogen hat, kann ich gut verstehen. Was braucht man mehr? Nach einem ereignisreichen Leben (mit bestimmt auch viel Stress) kann man sich hierhin wunderbar zurückziehen. Und jetzt beim Bilder aussuchen, befiel mich schon wieder die Sehnsucht dorthin zurückkehren zu müssen. Und wenn man dort geboren und aufgewachsen ist, dann muss das Heimweh vermutlich grenzenlos sein…

Aber das wusste ich morgens beim Zeltabbau noch nicht. Ich war traurig, dass wir diese schöne Gegend hier verlassen würden und hatte sogar ein wenig Bedenken, was den Campingplatz etwas nördlich von Ullapool betraf. Der sollte etwas spärlicher eingerichtet sein als dieser hier und hier war im Vergleich zum Weissenhäuser Strand oder Fehmarn schon sehr wenig geboten. Aber klar, die meisten Leute mieteten hier ja auch diese Trailer, wo sie alles drin hatten.

Durch Tee und den Zeltabbau wurde uns wieder warm, die Dusche half auch. Wieder hatten wir beide gefroren, trotz Socken. Das Wetter war auch wieder nicht so toll, aber wir konnten in Ruhe das Auto packen und bekamen sogar wieder alles ordentlich hinein. Wir fuhren nach vorne um auszuchecken und trafen dort auch auf unsere beiden Lieblingshosts. Wir quatschten eine Weile über alles mögliche, wo wir waren, wo es nun hingeht und welche Whiskys wir schon probiert haben. Und einer der beiden zeichnete uns eine Destillerie in eine Karte ein, die wir vielleicht auf unserem Weg in der Nähe von Inverness besuchen könnten. Wir verabschiedeten uns herzlich (am liebsten hätte ich die beiden geknuddelt, die waren echt klasse!) und verließen den Campground Richtung Aberfoyle. Dort wollten wir in „unserem“ Co-Op noch eine Kleinigkeit für den Weg einkaufen.

Wir stellten fest, dass es hier heute etwas voller war. Auf dem riesigen Parkplatz am Wool Center standen heute auch ein paar Busse. Was war denn dort los? Na, dann müssen wir uns das doch mal anschauen. Vor dem Laden wurde gerade eine Schafschur vorgeführt:


Währenddessen

Und das zweigeteilte Schaf danach

Es blökte ganz herzzerreißend, denn ihm war jetzt bestimmt saukalt.

Dann gingen wir hinein ins Center und sahen, was wir vermutet haben. Eine Tourifalle!

Hm, aber die Preise gingen doch eigenlich. So erstand ich 2 dicke Fleecejacken zusammen für 25GBP. Das war mehr als fair. Und weil ich so fasziniert von keltischen Symbolen bin, bekam ich auch noch für einen kleinen Preis eine (vermeintliche) Silberkette mir einem solchen Symbol. Okay, für den Preis konnte da natürlich das Silber nur „draufgehaucht“ sein… Auch Heiko sollte nicht leer ausgehen, obwohl ich auch Nutznießerin bin: Einen Scottish Blend namens Islay Mist (sprich: eila mist) und wunderschöne mit keltischen Symbolen handgravierte Gläser. Aber an einem der Gläser war eine Macke – wie schade! Wir fragten nach, ob es davon noch mehr geben würde. Nein, leider nicht. Da aber die Macke nicht allzu groß war und die Gläser wirklich schön und dann auch noch einen Preisnachlass dazu, nahmen wir sie mit.

An der Kasse dann ein Gewimmel. Man lernt ja schon in der Schule, dass die Briten das „an die Schlange anstellen“ ausgezeichnet beherrschen. Dem passte ich mich selbstverständlich an. Das machte mir auch keine Schwierigkeit, denn ich weiß ja, was sich gehört. Andere wussten das scheinbar nicht. Aufgeregt und diskutierend belagerten sie die beiden Kassiererinnen. Sich immer wieder vordrängelnd, laut und arrogant anderen Kunden gegenüber. Wo kamen denn die her? Die sprachen alle fließend englisch, aber der Akzent war irgendwie nicht von hier. Da fielen mir die Busse wieder ein. Und als eine der „Damen“ partout in Dollar bezahlen wollte (was wieder ein Umstand für die Kassiererinnen war), war mir klar: Amerikaner! Was für schreckliche Menschen! Die meinen wohl, ihnen gehöre die Welt…

Natürlich machte ich 2 Jahre später ganz andere Erfahrungen mit ihnen, aber bis dahin waren sie gnadenlos von mir vorverurteilt. Und das absolut nicht positiv.

Als ich dann nach langem Warten endlich bezahlt hatte (die Kassiererin beantwortete meinen bedauernden Blick mit einem schulterzuckenden Lächeln), ging ich nach draußen, wo Heiko schon auf mich wartete. Eine neue Attraktion war zu bewundern: Eulen!

Die hier durfte ich kraulen – die war ja sooooo flauschig!

Und vor dieser hier hatte ich größten Respekt – wow, die ist ja riesig:

Und diese Spannweite – wie hält der Typ die bloß?

Nach dieser Präsentation gingen wir noch eine Kleingkeit essen. Ich bekam einen Tee dazu und das erste mal trank ich ihn britisch: Schwarzer Tee mit Zucker und Sahne. Leute, ich bin und bleibe Freundin des puren Tees. Das war echt nicht mein Ding. Einen türkischen Tee trinke ich wohl auch mal mit Zucker, aber den normalen nicht. Und schon gar nicht mit Milch oder so…

Dann ging es los – es wurde Zeit. Wehmütig verließen wir die Trossachs, kamen noch mal am Loch Lomond vorbei, die Berge wurden höher und die gesamte Landschaft etwas karger.


leider ohne Zug


da hinten regnete es gerade

Auf einmal meinte Heiko: „Guck mal, was ist das denn für eine Brücke?“ Ich gebe zu, beim ersten Hinsehen habe ich das auch gedacht:

Wir fuhren immer weiter Richtung Norden, genau Nordwesten. Einmal, hinter einer scharfen Kurve dann waren sie da: Die Tränen in meinen Augen. Ich war total ergriffen. Wie schön es hier war. Ein vorsichtiger Blick zur Seite verriet, dass es Heiko ähnlich ging. Schweigend fuhren wir weiter, nicht mal ein Foto haben wir gemacht. Das Anhalten hätte den Augenblick bestimmt auch zerstört.

Aber irgendwann gab es auch wieder Fotos.

Auch ein kleiner Wasserfall lud zu einem Stopp ein:

Aber wir sind noch längst nicht an unserem Ziel angekommen…

Als nächstes Highlight kamen wir zu einer Schwenkbrücke, die gerade öffnete. Das ist ja interessant! Wir stiegen aus – vor uns ein Bus voller Asiaten. Die stiegen mit ihren Fotoapperaten natürlich auch aus. Aber Heiko ist ja groß und fotografierte über ihre Köpfe hinweg.

Wir waren am Caledonian Canal angekommen. Dieser Kanal wurde gebaut, weil man der Meinung war, dass es doch prima wäre, wenn man mehr oder weniger direkt von West nach Ost und umgekehrt käme und nicht immer den Weg außen rum nehmen müsste. Prinzipiell ja eine gute Idee, aber ihr seht ja auf den Bildern, dass das Ding recht schmal ist und deswegen fahren dort heute nur noch Hobby-Kapitäne. Dieses Ausflugsschiff ist das größte Schiff, das hier durch fährt und fahren kann.

Überhaupt ist diese Art zu reisen sehr interessant, denn etwa ein halbes Jahr nach unserer Reise habe ich einen Bericht darüber gesehen. Es fährt nicht nur den Caledonian Canal (der eigentlich ein Loch mit dem nächsten verbindet – pfiffig, denn so musste man weniger Kanal bauen) sondern fährt auf der Westseite auch noch weiter hinaus zu einer der vorgelagerten Inseln. Weiß ich aber nicht mehr ganz so genau. Aber auf die Hebriden zu reisen oder wenigstens nach Islay (wo der rauchigste aller Whiskys herkommt: Lagavulin) wäre schon noch ein Traum von mir.

Wie auch immer, das Schiff passierte den Kanal, alle machten ihre Fotos, stiegen in ihre Autos zurück. Nur nicht die Asiaten. Die Brücke war längst wieder freigegeben, aber keiner konnte fahren, weil der Bus im Wege stand. Der Busfahrer hatte viel Mühe, sein Schäfchen wieder alle zusammen zu bekommen. Gab es Theater? Ein Hupkonzert? Nö, alle warteten gelassen bis amüsiert, bis die „Kleinen“ alle wieder eingesammelt waren.

Weiter ging es dann entlang des berühmten Loch Ness, aber heute zeigte sich Nessie nicht. Aber wir wollten gerne ein Foto von einer der berühmtesten Touristenattraktionen Schottlands machen: Urquhart Castle. Dort angekommen stellten wir fest, dass dort wohl gerade ein mitteralterliches Spektakel stattfand. Es war alles abgeschirmt und wir Kulturbanausen wolltenauch keinen Eintritt von 6GBP pro Person zahlen, um inmitten von nachgestellten Schlachten ein Foto zu schießen. Obwohl: Dann hätten wir nachher behaupten können, wir hätten eine Zeitreise gemacht. Wenn ich es so überdenke, waren die normalen Eintrittspreise für diesen Tag sogar außer Kraft gesetzt, d.h es war noch teurer. Und wir zu geizig. Daher haben wir nur Bruchstücke vom Schloss:

Irgendwann war es Zeit für eine Pipipause. Da kam uns dieser kleine Wasserfall gerade recht:

Nein, da haben wir nicht hingemacht. Aber da war eine Recreation Area. Und auch Restrooms in einer Holzhütte schon fast im Wald gelegen. Mit dem Schlimmsten rechnend ging ich dort hin. Schon darauf gefasst Gestank, Spinnenweben und sonstigem ungemütlichen Zeug zu begegenen. Egal: Watt mutt dat mutt. Und dann die Überraschung: Von Natur innen keine Spur mehr. Alles in Edelstahl – sogar die Kloschüsseln. Das habe ich ja noch nie gesehen! Und alles pikobello sauber. Wer hätte das gedacht? That´s Scotland!

Bald kamen wir nach Ullapool. Und irgendwann später auch den Ardmair Campground. Der Check in war recht voll und wir lernten ein älteres Ehepaar aus Südwestdeutschland kennen, die 6 Wochen mit ihrem Womo in GB unterwegs waren. Sie war sehr mitteilsam und teilte direkt ihr Stück Flammkuchen mit Heiko, der das gar nicht haben wollte… Sie war so richtig die Art Frau, die immer irgendjemanden betüddeln und umsorgen muss. Wir bekamen unsere Platznummer, sie auch. Irgendwo anders – gut so. Aber dann die Überraschung: Unsere Site war belegt! Da hatte irgendwer sein Fahrzeug abgestellt und der Besitzer war nicht aufzufinden. Der Host teilte uns dann einen neuen Platz zu. Der war viiiiiiel schöner – Zimmer mit Aussicht sozusagen. Wir bauten das Zelt auf und Heiko ging noch einmal nach vorne, um eine neue Flasche Whisky zu besorgen. Der Laden wurde aber gerade abgeschlossen. Der Besitzer fragte, was er denn benötige. Och, nur eine Flasche Whisky. Na, also für so etwas würde er selbstverständlich wieder öffnen. Heiko bekam eine neue Sorte und wir erfuhren was Prost auf Gälisch hieß: Slainte mhath!  (http://de.wiktionary.org/wiki/sl%C3%A0inte_mhath)

Und dann genossen wir den Sonnenuntergang.

Dann zogen wir uns ins Zelt zurück. Hier noch mal ein Foto von unserem Wohnzimmer/Esszimmer/Küche

Links ist das Schlafzimmer, rechts die Rumpelkammer (Gepäck)

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