Schottland 2009 (Teil2)

 

Sonntag, 7. Juni 2009: Rest and be thankful

Anders kann man diesen Tag gar nicht beschreiben. Dass wir hier an einem so schönen Ort landen würden, hatten wir nicht geglaubt. Und was noch dazu kam: Wir waren endlich diese lästigen midges los und konnten gefahrlos das Zelt auflassen, uns draußen aufhalten ohne anschließend eine Tube Mückengel zu benötigen oder ohne uns vorher komplett mit Autan einzunebeln.

Aber von vorne:

Diese Nacht war ich so richtig dick eingepackt: Unterwäsche, Schlafanzug, dünne Fleecejacke, dicke Fleecejacke, Jogginghose, Socken, Wollsocken, Wolldecke, Steppdecke. Da kann man ja nicht mehr frieren, oder? Doch. Nämlich im Gesicht, an der Nase vor allem, an den Händen und an allen Stellen, die  sich so nachts sich „freigewühlt“ haben. Uns war kalt. Saukalt. Also erst mal ab unter die Dusche – das tat gut! Und dann ein schönes Frühstück im Sonnenschein mit heißem Tee. Herrlich!

Da kam prompt das deutsche Ehepaar von gestern abend vorbei marschiert:
„Aaaach hier seid ihr gelandet! Ich habe ja schon gestern abend an euch gedacht – ihr nur mit Zelt! War es denn sehr kalt?“
„Äh, es…“
„Ich wollte euch ja schon holen, ihr tatet mir so Leid“
„Warum denn?“
„Ich sehe schon, ihr habt euch gut eingerichtet, braucht ihr heißen Kaffee oder Tee?“
„Danke, wir haben alles“
„Mensch, ihr müsst ja total durchgefroren sein. Ich wollte euch ja noch Decken bringen“

„Heute früh waren es ja mal gerade 3 Grad, ihr Süßen müsst ja fürchterlich gefroren haben“
„Naja, wenn man genug anzieht…“

So in etwa war der MonoDialog. Das mit den 3 Grad erklärte alles. Wir sind gar keine Weicheier, es war nachts wirklich ar…kalt!

Nach dem Geschirrspülen fuhren wir nach Ullapool hinein. Sogar hier gab es einen großen Tesco Markt, obwohl der Ort gar nicht so groß ist. Als erstes kamen wir an den frischen Backwaren vorbei und ich als Schokoholikerin konnte einfach nicht an dem 4er Pack Schoko-Cookies vorbei gehen. Die waren riesig! Handtellergroß! Dann ging es zielstrebig in die Alkoholabteilung. Wie jetzt? Wieso ist die abgesperrt? War dort ein Malheur passiert und aus Sicherheitsgründen gesperrt? Nein, wurden wir aufgeklärt: Sonnstags gibt es erst nach der Kirche um 12 Uhr Alkohol zu kaufen! Ach so, erst die Sünden beichten, um Vergebung bitten, Besserung geloben und dann einen darauf trinken. Verstehe…

Tja, jetzt hatten wir unererwartet eine Viertelstunde Zeit (gut, dass wir nicht noch früher hier waren!). Das ist in einem Supermarkt natürlich fatal. So kauften wir nicht nur Lebensmittel, sondern auch eine ganze Kollektion an Bonbons und Fudge, Druckerpatronen (die hier deutlich billiger waren als bei uns) und noch so ein paar Dinge, die wir eigentlich im Moment gar nicht brauchten. Und dann endlich auch den ersehnten „Stoff“.

Dann ging es auch zurück zum Campingplatz. Wir waren in dieser Woche schon über 2000km gefahren und benötigten auch mal eine Pause. Wenn ich nichts dazu schreibe, weiß ich nicht mehr, was wir zum Mittagessen hatten. Dann haben wir selber gekocht. Auf jeden Fall machten wir nachmittags dann einen Spaziergang an den „Strand“ vor unserer Tür.

Anschließend drehten wir noch eine Runde über den Campingplatz. Auffällig: In fast jedem Vorzelt oder Wohnwagen war eine Flasche Whiskey auf dem Tisch zu sehen

Wir kamen dann mit unseren Campingnachbarinnen ins Gespräch. Sie kamen von der Isle of Skye und fuhren mit ihrem Wohnwagen durch die Gegend. Auch sie fragten, ob uns denn nicht kalt gewesen sei. Ja, doch. Schon. Da kamen die doch glatt mit einem Heizlüfter an, den wir so lange nutzen könnten, wie wir auf diesem Platz sind. Echt??? Wow, das ist ja nett! Wir wollten ihn anschließen, aber da gab es einen Haken: Wir hatten ein Verlänerungslkabel mit diesen blauen Steckern, die man für draußen benutzt. Heißen die Eurostecker oder so? Egal, jedenfalls hatten wir einen Reisestecker dabei, aber der konnte natürlich nicht „von Deutsch auf Britisch“ sondern nur „Britisch-Deutsch“. Wir brachten den Heizlüfter mit herzlichem Dank zurück. Die beiden Frauen stellten daraufhin den ganzen Wohnwagen auf den Kopf, ob sie nicht einen passenden Adapter hätten. Natürlich nicht, aber der Aufwand, den sie betrieben, war unglaublich.

Dann erzählten sie noch, dass man hier abends manchmal Seals beobachten könne. Natürlich hielt ich den ganzen Abend Ausschau…

Und tatsächlich, da gaaaaanz hinten, da war doch was? Ja, da war irgendwas. Heiko konnte durch die Kamera sehen, dass es tatsächlich Seehunde waren. Da habe ich schnell am Wohnwagen nebenan geklopft und gerufen: „there are seals – you were right!“ Gemeinsam mit einem Becher Sekt beobachteten wir die beiden Tiere. An diesem Abend muss bei Heiko der Wunsch nach einer besseren Kamera herangereift sein, denn die Bilder sind echt Mist…

Durch die Aktion mit dem Heizlüfter muss Heiko wieder eingefallen sein, dass er ja den Heizstrahler eingepackt hatte. Der wurde nun hervorgekramt, die Gasflasche von umserem Kocher abgeschraubt und der Strahler auf die Gasflasche drauf. Dann setzten wir uns wie immer hin, spielten und tranken. Irgendwann krochen wir ins Bett und schauten noch einen Film. Heiko als Filmjunkie hatte nämlich vor dem Urlaub noch einen tragbaren DVD-Player gekauft, damit er im Urlaub nicht komplett auf bewegte Bilder verzichten musste. Nachdem der Film zuende war, machten wir auch die Heizung aus. Das war uns über Nacht zu gefährlich. Aber immerhin hatten wir ein paar Stunden etwas Wärme im Zelt.

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